Was ist eine Harmonielehre? Eine erste Harmonielehre ist schon bei Goethe zu finden: In Goethes Farbenlehre. Viele andere bedeutende Künstler und Forscher haben sich seitdem mit der Ästhetik der Farben beschäftigt. Harald Küppers beschreibt eine harmonische Farbkomposition als "das visuelle Erscheinungsbild, welches uns ästhetisch berührt". Er unterscheidet zwischen verschiedenen Merkmalen, die er Qualitätsmerkmale oder Ästhetische Unterscheidungsmerkmale nennt. Harald Küppers nennt vier solcher ästhetischen Unterscheidungsmerkmale: - Die Buntart
- Die Unbuntart
- Den Buntgrad bzw. den Unbuntgrad
- Die Helligkeit
Nach Küppers entstehen diese ästhetischen Unterscheidungsmerkmale durch Mengenbeziehungen, die zwischen den Teilmengen vorhanden sind, aus denen sich eine Farbnuance zusammensetzt. Die Harmonielehre nach Roman Liedl Roman Liedel hat das Rad nicht neu erfunden, sondern auf den Erkenntnissen der verschiedenen Farbentheorien aufgebaut. Das neue an Roman Lidels Harmonielehre ist die "Methode der maximalen Kontraste". Die Harmonielehre (Roman Liedl: Die Pracht der Farben, mit Bildbeispielen von S.N. Amerstorfer) stellt feste Regeln für die Farbgestaltung auf. Ziel dieser Regeln ist eine als harmonisch empfundene Farbkomposition. Man sollte sich allerdings keiner Illusion hingeben: Eine an Normen gebundene Farbgebung ist schwerer zu realisieren als eine regellose, in der die Farben beliebig verteilt werden können. Ohnehin bestehen häufig Sachzwänge für die Farbwahl, weil Objekte auf der Webseite plaziert werden, deren Farbe feststeht und nicht geändert werden kann oder soll. "Es sind aber gerade die Abweichungen von jeder Norm, die Interesse und Neugier erwecken. Ein versierter Designer muß über beide Entscheidungswege verfügen können: den gewohnten und den innovativen." Hans Gekeler Um von der Norm abweichen zu können, muß man die Norm kennen. Allerdings sind Harmonie und Auffälligkeit nicht notwendig Feinde: Eine Gestaltung kann durchaus Inhalte in auffälligen Farben enthalten, ohne deshalb unharmonisch zu wirken. Entscheidend ist die Art der Einbettung der auffälligen Komponente in das farbliche Umfeld - und genau hier liegt die Stärke der Harmonielehre: sie bezieht sich auf die Gesamtwirkung einer farblichen Gestaltung. Automatisch schön? Sind Webseiten, die eine hamonische Farbkomposition enthalten, automatisch schön? Mit Hilfe der Harmonielehre finden sich garantiert Farben, die zueinander passen. Dies bedeutet zunächst noch nicht, dass die fertige Webseite "wirkt". Zu viele andere Faktoren beeinflussen die ästhetische Wirkung: Ein gegrilltes und knuspriges Hähnchen, das mit Lebensmittelfarbe rosa gefärbt ist und mit grünen Punkten betupft, würde uns sicherlich nicht schmecken. Die Farben würden ganz und gar unansehnlich und unpassend auf uns wirken. Die Farbwirkung ist also nicht nur von der Farbwahl allein abhängig. Farbassoziationen, Verteilung der Farbe auf die Flächen und Formendesign spielen eine wichtige Rolle. Einem rosa Marzipanschweinchen mit grüner Halsschleife beispielsweise würden wir nicht abgeneigt sein, wenn wir Appetit auf Süßes hätten. Und wenn nur eine einzige Farbe eingesetzt wird? Monochromatische Webseiten wirken sehr gut. Bei diesen Kompositionen ist die Harmonielehre natürlich überflüssig, auch wenn die Farbe in all ihren Schattierungen zum Einsatz kommt, z.B. wenn eine Webseite ganz in Grün/Türkis/Cyan gehalten ist. Durch das Wissen um die Harmoniekontraste werden wir uns allerdings dieser Monochromatik bewußt und können die eingesetzten Sekundärfarben ganz gezielt steuern. Desgleichen bei Kombinationen einer Farbe mit Schwarz, Weiß oder Grau: Hier braucht man sich über Farbharmonien keine Gedanken zu machen, denn in diesen Fällen entscheiden Kontraste, räumliche Anordnung, Verteilung der Flächen, Form der Flächen, ob es harmonisch wirkt oder nicht. Das beste Beispiel hierzu sind Webseiten, die ganz in Schwarz-Weiß gehalten sind: Sie üben, genauso wie Schwarz-Weiß-Fotografie, einen besonderen Reiz aus.
(Brigitte Hallenberger und Hartmut Rudolf - http://www.metacolor.de/)
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